In dem Film “Ghost – Nachricht von Sam” ging es um eine Nachricht aus dem Jenseits. Witzig, dass wir heute die Bezeichnung “ghosting”dafür verwenden, wenn man einer Person gar keine Nachricht mehr schickt. Diese Form des sich tot stellens bereitet mir derzeit ein – wenn auch eher kleines – moralisches Dilemma. Grundsätzlich bin ich ja gegen Feigheit, aber manchmal geht es nicht anders. Wieso sich erklären, große Umschreibungen suchen um niemanden vor den Kopf zu stoßen , wenn man auch einfach einen auf Opossum machen kann? Alles andere führt nämlich meiner Erfahrung nach immer zu Missverständnissen und irgendwann bist du so verstrickt, dass du aus der Nummer nur noch rauskommst, wenn du unhöflich wirst. Das muss doch nicht sein!
Als ich eben mit meiner Freundin J telefonierte, kamen wir auf folgendes Fazit: Früher hat man doch auch nur mit einer handvoll Leuten kommuniziert, also warum ist es heute zu einer Selbstverständlichkeit geworden, dass man seine Zeit mit JEDEM teilt? Diesem Umstand verdanken wir sogar einen neuen Begriff, den ich bis dato gar nicht kannte: Phubbing. Das Wort definiert die Angewohnheit, sich mit dem Handy zu beschäftigen, während man die Menschen, mit denen man gerade verkehrt, vernachlässigt. Klingt übel oder? Dennoch bekenne ich mich mehrfach des Phubbings schuldig und könnte aus dem Stegreif mindestens 20 Mitschuldige benennen.
Klar sind die Smartphones wieder mal an allem schuld, die uns nicht nur Wecker, Fitnesstracker, Arbeitsplatz und Gehirn gleichzeitig sind. Aber sind nicht doch WIR die Spezies, die über dem allmächtigen iPhone stehen? Wir, die wir durchaus mal in der Lage waren, auch ohne diese Dinger zu existieren und eigene Entscheidungen zu treffen? Ich glaube, ich habe mein Dilemma gelöst. Nicht mein Handy schreibt mir vor, wem ich zu antworten habe sondern ich. Ipso facto ist keine Antwort auch eine Antwort. Und letzendlich auch noch die netteste von allen.

Mad City

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